Endlich habe ich ein wenig mehr von Land und Leuten kennen gelernt, denn meine erste viertägige
Reise liegt hinter mir, auf welcher ich Benins wunderschöne Landschaften erleben durfte.
Bei meinem Besuch zweier Freiwilliger in Ouaké, einem kleinen Dorf mitten im Nirgendwo, habe ich
etwas vom "richtigen" Afrika gesehen und es war ein sehr schönes Gefüh, einmal aus der lauten
und schmutzigen Großstadt Cotonou ausbrechen zu können. Schon die Busfahrt nach Djougou war ein
Erlebnis, welches aufgrund der hiesigen Straßenverhältnisse 8 Stunden dauerte. Bei jeder Busstation
strömten sofort unzählige Marktfrauen auf uns zu, um Bananen, Brot oder Nüsse zu verkaufen, wobei
nach einem derartigen Andrang plötzlich Streit um den Preis der Ware entbrannte und der Busfahrer die Lösung darin sah, das Obst in den Mülleimer zu werfen. Schließlich schalteten sich auch noch einige Männer in die Diskussion ein, deren Lautstärke und Emotion für einen gesitteten Deutschen in öffentlichen Verkehrsmitteln kaum vorstellbar ist. Meine Anreise endete schließlich mit einer 1-stündigen Motorradfahrt über Staubpisten, vorbei an paradiesischen afrikanischen Dörfern und unzähligen uns hinterherrufenden Kindern. Wie mein weißer Rock hinterher aussah, kann man sich sicherlich vorstellen :-)
Glücklicherweise lag mein Besuch in Ouaké gleichzeitig mit dem dortigen Ramadan-Fest, welches
aufgrund der starken muslimischen Prägung auch ausgiebig gefeiert wurde, und so nahm ich mit Freude
und selbstverständlich angemessen verschleiert am Morgengebet teil (mit ausreichend Abstand).
Zwei Trommler kamen schließlich zu uns und trommelten uns, zumindest ihrer Aussage nach, frei von
jeglichem Bösen. Am selben Tag noch wurden wir dann von der Organisation des einen Freiwilligen
nach Togo gefahren, denn die Grenze liegt nur sieben Kilometer entfernt, und dort in einen recht
"deutschen" Biergarten eingeladen, um die Spezialität RIESENRATTE zu verzehren.
Auf unserer Fahrt zurück zum Haus der zwei konnte ich mir die saubere und sehr viel trockenere Nordluft Benins um die Nase wehen lassen und die Schönheit des gar nicht mehr weit entfernten
Gebirges bestaunen.
Das Dorfleben selbst ist, so wie auch in Deutschland, weitaus persönlicher als das Großstadtleben
in Cotonou. So wurden wir beispielsweise gestern auf einem Spaziergang durch die Gegend von einem
uns unbekannten Clan eingeladen, um das selbstgebraute "Tchoucoutou-Bier" zu probieren - als Geste
der Freundschaft und selbstverständlich wieder aufgrund unserer Hautfarbe. Diese Sonderbehandlung
lässt mich wirklich oft zum Nachdenken anregen. Der Clan-Älteste machte uns das Ritual vor, zuerst
einen Schluck des bittersauren Gebräus auf die Erde zu schütten, eine symbolische Opfergabe für die
Ahnen, während uns dutzende Kinderaugen dabei folgten und schließlich mich mit meiner Kamera zu ihrem Superstar machten. Problematisch bei der netten Einladung war eigentlich nur die Tatsache,
dass fast keiner der Dorfbewohner in der Lage war, französisch zu sprechen, was die Konversation
schließlich recht früh enden ließ. So sehr ich auch Matthieu und Sebastian um ihr schönes Haus im Grünen mit den freundlichen Nachbarn beneide, so sehe ich doch auch den Nachteil am Leben in der Abgeschiedenheit: aufgrund des anderen Bildungsniveaus im Dorf und der damit einhergehenden
Sprachbarriere ist es sehr schwer, richtig Anschluss zu finden und sich zu integrieren.
Zum Abschluss meiner Reise wollten mir die beiden noch ihren "Lieblingsort" zweigen, welchen ihr
auf dem unteren Foto seht. Wie man unschwer erkennen kann, steht dort ein Stier, der anscheinend von
der Idee, fotografiert zu werden, nicht allzu angetan war, da er, gerade als wir an ihm vorbeigehen wollten, mit gesenkten Hörnerrn auf uns zugerannt kam. In meiner Not und zu Tode erschreckt rannte ich davon (auch noch in die falsche Richtung, nämlich zurück) und fiel dabei so hin, dass ich nun einige
Schrammer und ein Loch in der Hose abbekommen habe.
Anschließend musste ich in sicherer Entfernung durch tiefen Schlamm und schneidende Gräser an dem
Stier vorbei, der mich mit funkelnden Augen und Hufe scharrend musterte. So wurde dann letztlich der schönste Ort der Gegend zumindest für mich zu einer Stelle, die ich immer in Erinnerung behalten werde.
Verletzt aber glücklich ging es dann gestern abend zurück nach Djougou, wo ich eine schlaflos Nacht
bei zwei weiteren Freiwilligen verbracht habe und dann heute morgen um 8 Uhr in den Bus zurück nach Cotonou.
Ich bin nun gespannt, ob mit unserem morgen geplanten Umzug alles klappt und werde mich dann hoffentlich nächstes Mal von der Universität melden.
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