Mittwoch, 30. September 2009

Krawall und Remmidemmi

Meine ersten Tage an der Uni sind vorbei und ich bewege mich hier mittlerweile fast schon wie Zuhause.
Die Studenten, vor allem die, die bei der Presse arbeiten, berühren mit ihrer warmen Art mein Herz und schon jetzt fühle ich mich ihnen näher als vielen Deutschen. Wenn einfach jemand an deine Zimmertür klopft, obwohl er dich eigentlich kaum kennt, nur um ein bisschen bei dir zu sein, damit du dich nicht so allein fühlst... da stellt man schon hin und wieder die höflich-reservierte Zurückhaltung in Frage, die zu überwinden mir aber auch noch sehr oft schwer fällt.
Momentan benötigen wir jedoch wirklich etwas Umsorgung, da wir alle 3 Malaria bekommen haben und ein wenig schwach auf den Beinen sind. Wobei es mir glücklicherweise nicht ganz so schlecht geht wie Anna und Micha, da ich die Malariaprophylaxe weitergeführt habe, und so kann ich mich um Einkäufe und sonstige Probleme kümmern. Manchmal ist es dann aber doch etwas deprimierend, wenn man nach einer halbstündigen Fahrt zu siebt im Taxi vollkommen am Ende an der Uni ankommt,bepackt mit Tüten voll Essen, sich in der Hitze nach einem Schluck Wasser sehnend - und dann - das Wasser abgeschaltet wurde. Ja, dies kommt hier leider ab und an vor, wir wissen aber noch nicht genau, ob die Wasserleitung jetzt für mehrere Tage gekappt wurde, da unser Wohnheim nächste Woche komplett mit Insektiziden gereinigt werden soll. Dies bedeutet für uns: wieder alles einpacken, umpacken, Zimmer neu beziehen.... An einer beninischen Uni wird es bestimmt nie langweilig.

Aufgrund unserer Krankheit und einiger anderer Schwierigkeiten bezüglich des Projekts haben wir also immernoch nicht richtig mit der Arbeit begonnen, wobei ich trotzdem mehrmals täglich in der Redaktion vorbeischaue, wenn meine Körperkraft es zulässt. Gestern durfte ich sogar zum ersten Mal bei einer Radiosendung dabei sein und, ohne Vorwarnung, meine Meinung zum Thema Liebe zum Besten geben :-) Mit etwas brüchigem Französisch war ich somit im Radion Univers Benin zu hören.

Was mich an den Menschen hier so fasziniert, ist ihre Offenheit, ihr Wille, alles zu geben, damit es dir gut geht und ihr unendlicher Optimismus.
Meine Tutorin beispielsweise, die momentan eigentlich keine Zeit hat, weil sie noch für ihre Nachprüfungen lernen muss, die kein Geld mehr hat, weil das Monatsende naht, kam heute trotzdem bei mir vorbei und hat mir Kekse mitgebracht. Man hat ihr angesehen, wie schlecht es ihr selbst geht und trotzdem hat sich sich liebevoll um mich gekümmert. Wenn einem diese Art, die Gemeinschaft als oberste Priorität zu setzen, vor Augen geführt wird, erklärt sich das Bild des gut betuchten, aber dennoch einsamen Europäers. Nicht ein einziges Mal bisher, hat jemand sich im Gespräch mit mir über seine finanzielle Lage beschwert, nicht über zu viel Arbeit, zu wenig Zeit für sich.... Ich habe das Gefühl, die Beniner haben eine andere Brille auf als wir, eine Brille, die die Dinge in einem hellen Licht erstrahlen lässt. Und sei der Tunnel, in welchem sie sich befinden noch so dunkel, sie werden nicht aufhören, die Sonnenstrahlen an dessen Ende zu suchen.

1 Kommentar:

  1. Hallo Cousinchen ...

    ... wollte mal ein paar liebe Grüße da lassen ...

    wie geht es dir? alles ok? ich hoffe, dir gefällt es im warmen Süden ...

    Hier in Schmalkalden ist heute das erste mal richtig mieses Wetter. Es ist extrem kalt. Hatten heute morgen gerade mal 6 Grad :(

    Liebste Grüße
    dein Cousinchen Jane

    *dicke Umarmung*

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